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Krumpiern - Kiritog in Óbuda (Volksfest)


 

Krumpiern - Kiritog in Altofen (Óbuda Krumplibúcsú)

 

Krumpiern- Kiritog zählt zu den herausragenden traditionellen Veranstaltungen  der deutschen Minderheit in den bergigen Bezirken von Buda (Stadtteil von Budapest), welche  seit 1839  immer am  2. Weihnachtstag eines jeden Jahres feierlich begangen wird. Die Festlichkeit, an der stets 300 bis 400 Personen teilnehmen, dauert den ganzen 2. Weihnachtstag. Umrahmt wird dieser Festtag von einem umfassenden deutschen Kulturprogramm. Erst seit den 80-er Jahren wurde der Schauplatz der Veranstaltung nach Altofen verlegt. Dort ist die wirkliche „Massenbasis” für diese Veranstaltung vorhanden,  wo dem Volksfest  Teilnehmer  aus dem ganzen  „Ofner Bergland” beiwohnen.

 

a/  Der weltliche Hintergrund: Nachbarschaftshilfe 

 

Der historische Hintergrund zu diesem Festtag beruht auf dem Ereignis der großen Hochwasserflut im Jahre 1838 in Pest-Buda. Seinerzeit wurden die Bewohner der flachen  Pester Seite von einer verheerenden Hochwasserflut heimgesucht, so dass Bewohner zur Rettung ihres Lebens auf die höher gelegene Budaer Seite (Ofener Hügel) fliehen mussten. Die auf der Budaer Seite beheimateten Donauschwaben haben in der Not den Flüchtlingen Bratkartoffeln und Gänseschmalz angeboten. Die Hilfe der Budaer "Schwaben" war es fortan Anlass genug dieses Ereignis der Mitmenschlichkeit zusammen mit dem damaligen von den Deutschen gereichten Gericht (Bratkartoffeln und Gänseschmalz)  gebührend zu feiern.

 

Die Flüchtlinge haben sich daraufhin in den folgenden Jahren nach der großen Flut regelmäßig  in den Gaststätten der Wasserstadt von Buda den „Krumpiern Kiritog” wieder getroffen, und somit die bis zum heutigen Tage reichende und sich weiterhin entwickelnde Tradition des Feiern an diesem Gedenktage begründet. Nach und nach bildete sich die auch noch bis zum heutigen Tage  lebendige Tradition  des Defilierens in festlicher Kleidung aus. Als sichtbares äußeres Kennzeichen im Gedenken an diese Flut trägt der traditionsbewusste Feierer (und Freierer) im Knopfloch eine auf eine ungarische Trikolore   aufgehängte Kartoffel und zieht damit von einer Gaststube zur Nächsten.

 

Beim Umzug durch die Gaststätten in Óbuda wird  dem interkulturellen Gedankenaustausch, in Form von umfangreichem deutschem und ungarischem Liedgut, bei  Bratkartoffeln und Gänseschmalz, ausreichend Rechnung getragen.

 

b/ Der kirchliche Hintergrund:  Karitas

 

Der 2. Tag der Weihnachten ist der Gedenktag des ersten Märtyrers, des Heiligen Stephanus. Zu jener Zeit um 1838  haben die Franziskaner in Ofen ( die Franziskanerkirche befindet sich auf dem heutigen Margarethenring) den an der Messe teilnehmenden  Armen  der Stadt kostenlos Bratkartoffel verteilt. Die Kartoffeln sollten dabei   die Steine symbolisieren, mit denen der Heilige Stephanus  gesteinigt wurde.

 

c/ Der heutige Inhalt des Tages: Solidarität

 

Heutzutage würde man sagen, dass es das Fest der Nächstenliebe und der  Solidarität unter den Menschen ist. In dem Gedenken an diese Naturkatastrophe  wird aber auch deutlich, dass die Menschheit auch heute noch den elementaren Kräften der Natur nach wie vor bedingungslos ausgeliefert ist.

 

Nach dem II. Weltkrieg wurde  die Tradition der Deutschen von Ofen unter der Leitung von Árpád Fischer, (dem damaligen Lokalhistoriker des Stadtteils ’Tabán’)  wieder erweckt und seit 1958  wird im Gedenken an die große Flut das Fest „Krumpiern-Kiritog” wieder würdig mit einem ganztägigen Kulturprogramm ungarndeutscher Organisationen ( Chöre, Tanzgruppen, Sänger, Blasorchester) gefeiert. Die Teilnehmer und die Sprachen auf diesem Fest  sind bunt  gemischt und die Sprache wechselt häufig zwischen Deutsch und Ungarisch.

 

Die Tradition ist bis zum heutigen Tage unverändert geblieben, sogar die Bratkartoffeln und das Gänseschmalz sind auch heute (noch) gratis. Mit Rücksicht auf die vielen armen und alten Teilnehmer dieses Festes, die sich eigentlich keinen aufwendigen Gaststättenaufenthalt leisten können, zahlt im Hintergrund die Deutsche Selbstverwaltung den entsprechenden  Sachaufwand des Lokals.

 

Die Wahl des Kartoffelkönigs:

das ist eine neuzeitliche Tradition. Seit 1959 wird jener Teilnehmer zum Kartoffelkönig gewählt, der nach der Meinung der Leute im vergangenen Jahr am meisten für seine Mitmenschen und die Gemeinschaft ehrenamtlich vollbracht hat.

 Das ist eine Auszeichnung zur „Ehrenbürgerschaft” auf Óbudaer Art. Zur Ergänzung dieses Kandidaten wird auch noch die entsprechende Kartoffelkönigin gewählt.

 

Verantwortlich für das Programm ist: Tibor Tauner, der Vizepräsident des Braunhaxler Vereines,  Tel.: 3686-685.

 

Dr. Josef Fehérvári, Vorsitzender

Deutsche Selbstverwaltung Óbuda-Békásmegyer