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Geschichte der Ungarndeutschen


 

 

KURZE GESCHICHTE DER UNGARNDEUTSCHEN

 

Auf dem Gebiet Ungarns, vor allem in Transdanubien, lebten Deutsche, bzw. Ihre Ahnen schon von der so genannten „Landnahme der Madjaren” in der Zeit von Karl dem Großen (um 800 n.Ch.). Seit der Zeit der Gründung des ungarischen Staates und der Kirche im 11.Jh. siedelten sich immer mehr deutsche Handwerker, Ritter, und Mönche in Ungarn an. Besonders auf königlichen Grundbesitzen wurden die Süddeutschen, Bayern und andere Deutschen gern aufgenommen.

Vor der Türkenherrschaft, bzw. bis zur Niederlage gegen die Türken bei Mohács (im Jahre 1526) lebten schon viele Deutsche in dem einstigen Buda (deutsch : Ofen ) und in Pest (Pesth), in dem alten Pécs (Fünfkirchen), Pécsvárad (Petschwar), Veszprém (Wesprim), Sopron (Ödenburg), Gyõr (Raab), Székesfehérvár (Stuhlweißenburg) und  in Esztergom (Gran).Sogar während der Türkenherrschaft kamen Deutsche auf ungarischen Boden, selbstverständlich in das von Türken nicht belagerte Gebiet, in das so genannte „königliche Ungarn”.

Es gibt aber auch heutzutage solche uhrdeutschen Siedlungen in Ungarn z.B. in Kõszeg (Güns), wo die „Hienzen” leben, die also keine angesiedelten Deutschen sind, sondern mit dem bayrisch - österreichischen Volks- und Sprachstamm im organischen Zusammenhang die südöstliche Fortsetzung des Deutschtums bilden.

Bedeutende deutsche Massen sind erst nach der Türkenherrschaft in die entvölkerten, ungarischen Gegenden gekommen; einerseits wegen der schweren Umständen auf deutschem Gebiet, anderseits wegen der versprochenen Vergünstigungen in Ungarn (freies Land, Steuerfreiheit usw.).

 

Interessanterweise begann die Ansiedlung der Deutschen in Ungarn mit deren so genannten „inneren Umsiedlung”  in der Zeit Karl III. (VI)  (1711-1740) als die damals schon Ungarndeutschen aus Transdanubien in das Gebiet des nördlichen Mittelgebirges umgesiedelt wurden. Also Kaiser Karl III. (VI.)  begann mit der ersten organisierten Ansiedlung der Deutschen aus dem deutschem Raum um 1725 nach Ungarn.

 

Die massenweise Ansiedlung der Deutschen nach Ungarn geschah dann in zwei großen Etappen:

 

1. Während der Herrschaft von Kaiserin (in Ungarn Königin) Maria Teresia (1740-1780) kamen Ansiedler aus dem Schwabenland, Baden, Elzass - Lothringen, Luxemburg und aus der Pfalz

 

2. Die zweite Besiedlungswelle begann unter Josef II.  (1780-1790),genauer gesagt, Im Jahre 1782. Seit dieser Zeit wurden Siedler aus der Pfalz, aus Hessen, Württemberg, aus der Fuldaer, Mainzer und Frankfurter Gegend und auch aus dem Saargebiet angesiedelt.

 

Die Ansiedlung der Deutschen war damit jedoch noch nicht beendet. Auch im 19.J.h. kamen kleinere und größere deutsche Gruppen nach Ungarn – vor allem um als Bergleute Arbeit zu finden – aus Kärnten, Krain und aus den von Deutschen bewohnten böhmisch-mährischen Gebieten.

 

Die Umsiedlungen waren alle innerhalb des Habsburg-Reiches. Sie begannen zuerst von den Gebieten an der Donau. Die Werber, die um die Siedler warben, waren Agenten der weltlichen und kirchlichen Herrschaften. Diejenigen, die in an der Donau liegenden Dörfern lebten, wurden über die neue Möglichkeit des Landbesitzes früher informiert; so kamen sie früher und erhielten dadurch auch günstigere ungarische Grundstücke und bessere Ansiedler-Verträge. Sie wurden „hospes”genannt.

 

Die Ungarndeutschen leben in dem heutigen Ungarn („Schrumpfungarn”: nach dem 1. Weltkrieg verlor Ungarn 2/3 seines Territoriums an die neuentstandenen Nachbarländer und etwa die Hälfte der Bevölkerung) in 4 größeren Gebieten

 

1. In Nordwest-Ungarn in der Gegend von Sopron (Ödenburg) und Kõszeg (Güns), an der österreichischen Grenze.

 

2.  Im transdanubischen Mittelgebirge im  Bakony (Buchenwald, auf dem Plattenseeoberland = Balaton Nordseite)

 

3. In der Umgebung der Hauptstadt Budapest (in einem großen Ring, inkl. das "Donauknie")

 

4. In der südlichen Ecke Transdanubiens, in den  Komitaten Baranya, Tolna und Somogy („Schwäbische Türkei”) und in der benachbarten einstigen Nord- Batschka (Komitat Bács-Kleinkumanien)

 

Auf Grund von Schätzungen beträgt die Zahl  der heut zutage in Ungarn lebenden Deutschen ca. 200.000 (diese Zahl entspricht 2% der Gesamtbevölkerung).

 

38% der heimischen deutschsprachigen Bevölkerung lebt in Süd-Ungarn in Baranya (Branau),  wo von den 301 Ortschaften des Komitates (Regierungsbezirke) in 236 Ungarndeutsche leben.

 

Die Deutschen bildeten bis zum Zweiten Weltkrieg verhältnismäßig geschlossene Gemeinschaften. Als Folge der Aussiedlungen (Vertreibung aus Ungarn) und der darauf folgenden Abwanderungen schrumpften diese Gemeinschaften zusammen, aber es blieben weiterhin relativ geschlossene Einheiten.

 

Die Mehrheit der einst deutschen Dörfer ist heutzutage mehrsprachig, bzw. leben dort mehrere Nationalitäten in Mischdörfern, mit meist ungarischer Mehrheit.

 

Während der Aussiedlung im 18.Jh. kamen vorwiegend Bauern in das Land. In den Städten ließen sich später Handwerker, Kaufleute und Beamten nieder.

 

Mundarten

 

Die meisten Deutschen sind fränkischer, schwäbischer bzw. bayrischer Herkunft. Die Mundarten sind so genannte Mischmundarten.  Sie entstanden während der Ansiedlung dadurch, dass Familien mit verschiedenen Dialekten in ein Dorf eingezogen waren und dort ihre Sprache integriert wurde.

Die deutschen Mundarten in Ungarn unterscheiden sich wesentlich voneinander. Auch der Unterschied zwischen diesen Mundarten und der deutschen literarischen Sprache (Hochdeutsch) ist bedeutend. Die im 18.Jh. angesiedelten Deutschen kannten das erst damals entwickelnde Hochdeutsch noch nicht.

 

Trachten

 

Der Volkssprache ähnlich hat sich auch die Tracht der heimischen Deutschen entwickelt. Die spezifischen Elemente der deutschen Trachten entwickelten sich aus einer einheitlich zu nennenden europäischen Volkstracht im 17.Jh. und im 18.Jh. also in der Zeit der Ansiedlung in Ungarn.

Bestimmte Trachten sind an je ein  Gebiet gebunden, ihre Formen haben Tradition und drücken das Lebensalter der Kinder, Frauen und Männer, ihren Geschmack und ihre gesellschaftliche Position aus.

Die Grundstoffe der Volkstrachten wurden bis zum 19.Jh., bis zum industriellen Herstellung, vom Volk selbst erzeugt/hergestellt und aufgearbeitet. Die Trachten der angesiedelten Deutschen können zu den Gruppen der mitteldeutschen (aus dem Rheingebiet, hessischen Raum) und oberdeutschen (fränkischen, schwäbischen und bairischen) Trachten gezählt werden.

Die Trachten der  Ungarndeutschen  wurden aber auch von den Volksgruppen, mit denen sie bei der Ansiedlung zusammengetroffen sind, beeinflusst und geprägt.